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Ecuador!

Ecuador-Blog online!

Für das, was nach den letzten 18 Tagen in Deutschland folgt. Bilder, Berichte, Erlebnisse, Erzählungen, Erfahrungen, Probleme, Heimweh, Gedanken, Träume, Ideen - 6 Monate Freiwilligendienst werden sicherlich einiges von alledem zu Tage bringen, und offen wie ich bin ;) habe ich vor, in hoffentlich nicht allzu großer Unregelmäßigkeit Neues zu berichten vom Äquator. Dafuer also dieses Blog - viel Spaß! Und Kommentare sind natürlich stets wilkommen.

Abschied

Tübingen, 23:15. Vor einigen Stunden das letze deutsche Bier getrunken, die letzen guten Wünsche entgegengenommen und sowieso: Rucksack nun endgültig gepackt, und in 8 Stunden geht mein Flug. Die letzte (wenn auch kurze) Nacht im eigenen Bett … es ist soweit!

Danke, Air France

Paris, 10:01. Glorreicher Anfang: Das Flugzeug aus Stuttgart hatte Verspaetung. Besser gesagt: Es stand ca. 15 min sinnlos auf der Pariser Landebahn, und kein Bus kam. Dann noch zwei mal 10 Minuten Busfahrt ueber den voellig chaotischen Pariser Flughafen, dann wars soweit: Der Anschlussflug nach Atlanta ist weg. Oder, besser gesagt: Das Flugzeug steht zwar noch am Gate (da blieb es dazu noch mindestens 5 weitere Minuten), noch mit Zugangsweg dran, aber leider koennen sie niemanden mehr hineinlassen. Tadaa. Jetzt fliege ich also ueber Los Angeles und komme ca. 13 Stunden spaeter in Quito an als geplant. Danke, Air France!
Und ach ja, freundlich wie man so ist, hab ich jetzt sogar einen Gutschein fuer was zu Essen hier am Flughafen. Toll!

Die Gute Nachricht: Jetzt kanns ja nur noch besser werden ;)

Angekommen!

Tumbaco, 12:50 Ortszeit. Kleines Lebenszeichen: Ich bin in Ecuador angekommen nach nunmehr 40 Stunden Reise! Muede zwar aber sonst alles wunderbar. Sitze im Moment im Buero von Integra (der Partnerorganisation bei der ich arbeiten werde) in Tumbaco bei Quito. Bald mehr und dann auch vielleicht erste Bilder.

Erste Bilder!

Beschreibung: 

Quito, 16:36. Es ist soweit: Erste Bilder!

Edit: Einige Bilder wurden nicht angezeigt. Jetzt schon.

Ich sitze im Moment in einem schoenen Internetcafé in Quito. Bin heute zum zweiten Mal in Quito, und das erste Mal in der Altstadt. Hat durchaus schoene Seiten - viele Kolonialzeitbauten und einige schoene Plazas. Auffallend die extreme Polizeipraesenz, praktisch an jeder Strassenecke und auf jedem Platz steht jemand, manche in gruen mit Saebel, andere in schwarz mit Maschinenpistole, manchmal auch Militaers. Ist wohl nicht nur zum Touristenschutz (das aber auch), sondern noch ein Ueberbleibsel vom letzten Wochenende, an dem Wahlen waren und es wohl diverse Demonstrationen gab.

Ansonsten: Ich wohne im Moment bei Daniel und seinem Vater, Rafu. Letzterer hat vor einiger Zeit hier eine alternative Schule gegruendet, das Centro del Amanecer, in dem auch einige Freiwillge arbeiten und aus dem das Projekt Integra-Ecuador hervorging (ueber das ich meinen Freiwilligendienst machen werde). Haus und Schule sind abenteuerliche 20 Minuten auf teils unbefestiger Strasse von Tumbaco in der Pampa. Dort wohne ich also in einer Huette mit im Moment zwei anderen deutschen Freiwillgen, Lena und Annabel. Total schoen hier, ueberall Haengematten und Hunde - die Bilder sagen mehr als Worte.

Naja, ich werde jetzt also hier in Quito die naechsten Tage ein paar Spanischstunden nehmen. Und irgendwann naechste Woche gehts dann vermutlich los - ab nach Palmareal, ein pueblo muy pequeño bei Rocafuerte bei Esmeraldas im Norden von Ecuador, ca. 7 Busstunden von Quito. Eine Schule, eine Lehrerin und eine Huette in der ich wohnen werde. Ich bin gespannt.

Angekommen in Palmareal

Esmeraldas, 15:45. Ich bin nun seit einer Woche in Palmareal.
Sonntag vor einer Woche bin ich nachts mit dem Bus von Quito aus nach Rocafuerte an der Kueste noerdlich von Esmeraldas gefahren. Dort, in Rocafuerte - haette der Bus eigentlich an einer Oficina von dem Busunternehmen halten und dort eine Celia auf mich warten sollen. Traf aber beides nicht ein. So stand ich dann also mitten in der Nacht (4:30) mit meinem ganzen Gepaeck mitten in Rocafuerte… Naja, hab dann gezwungenermassen die naechstbesten Menschen die ich gesehen hab angesprochen. Und von der Antwort erstmal kein Wort verstanden ;) Was die Leute hier reden erinnert naemlich zu meinem Leidwesen erstmal nur aeusserst entfernt an Spanisch. Nichtsdestotrotz wurde ich dann zu besagtem Oficina gebracht, wo mir sogar ein Handy angeboten wurde, mit dem dann schliesslich alles geklaert werden konnte und ich dann auch von besagter Celia abgeholt wurde… Von dort dann mit einem Camionetta (ein zum “Bus” gemachtes Pick-Up oder LKW) ca. 20 Minuten bis nach Palmareal. 35 Familien, die uebers Land verstreut in Holzhuetten ohne fliessend Wasser wohnen.

Zunaechst - hatte ich erstmal Durchfall. Vier Tage. Schon im Bus ein mulmiges Gefuehl im Magen. Und dann ist es auch nicht allzu einfach, hier zu erklaeren, dass das Essen zwar gut ist, ich aber trotzdem jetzt nichts essen kann ;) Hab also die ersten Tage hier groesstenteils liegend verbracht. Unschoen, das schon. Am Donnerstag war dann aber alles weg. Und ich konnte wieder essen. Puh.

Im Moment wohne ich bei Ines, der Lehrerin, ca. 20 Minuten zu Fuss von der Schule.

Hauptproblem: Das Spanisch hier. Soll heissen: Ich verstehe nicht sonderlich viel. Wenn die hier untereinander reden - nichts. Aber es geht jetzt schon merklich besser als vor einer Woche, also bin ich da mal einfach optimistsch und lese weiter fleissig meine Grammatik …

Bilder aus Palmareal

Beschreibung: 

Ein paar Fotos, Eindruecke. Mehr gibts sobald ich irgendwo schnelleres Internet finde.

Schule mal anders.

Rio Verde, 15:48. Sitze grade in einem Buero der Kommunalverwaltung von Rio Verde, da Ines hier was erledigen muss und es hier Internet gibt, was mir freundlicherweise angeboten wurde.

Zur Schule in Palmareal: In Ecuador betraegt die Pflichtschulzeit 7 Jahre. Und somit sind in der Schule von Palmareal eben Kinder von 6 bis 13 Jahren - alle in einem Klassenzimmer, mit einer Lehrerin -, insgesamt ca. 20 bis 25. Montag bis Freitag, Anfang eigentlicht um 8, tatsaechlich zwischen halb 9 und 9 (da kommen die Kinder dann so nach und nach an), bis um 13:00.
So sind dann eben 7 “Klassen” in einem Raum. Da sollen die einen Matheaufgaben machen, den anderen werden danach die Buchstaben des Alphabets beigebracht etc.
Das ganze ist, im Vergleich zu Deutschland, sehr langsam. Was vor allem daran liegt, dass die Kinder oft einfach mal eine Stunde fast nichts machen.
Ich habe die letzten Tage hier bei Mathe hier und da ausgeholfen (das geht am ehesten mit meinen Spanischkenntnissen). Teilweise deprimierend ;)

Die Sechstklaessler (4 Jungs) z.B. machen grade Primfaktorzerlegung. Das heisst dann, dass es morgens ne kleine Erklaerung und ne Aufgabe gibt (z.B. Primfaktorzerlegung von 65 etc.) - und das geht dann erstmal 1, 2 Stunden mit der Aufgabe … unter anderem weil 3 von den Vieren ca. 30 Sekunden brauchen um mir zu sagen was cuatro por cinco ist, aber auch weil dann eben zwischendrin mal ne halbe Stunde gar nix laeuft. Dann vielleicht noch ne 2. oder 3. Aufgabe, und dann ist der Schultag auch schon zu Ende.
Oder: Ein vielleicht 10-jaehriger Junge, der seinem Mathebuch zu Folge grade schriftliches Addieren im Zahlenraum bis 10 000 machen soll - mit der Aufgabe total ueberfordert, also helfe ich ihm, Schritt fuer Schritt eben, Bueno. Esto son mil. Esto son mil tambien. Cuando tengo? - Antwort: Tres cientos? oder (12) Que es esto numero? - Veintiuno. - No, son doce. Veintiuno es este (21). Bien. Que es este? (14) - Veintiuno. - Noooo... Und diesem Jungen soll ich also schriftliches Addieren im Zahlenraum bis 10 000 erklaeren. ;)

Die Kinder - manche sehr schuechtern, manche aufgeweckt. Zu letzeren gehoert z.B. Fernando, der einzige der die Primfaktorzerlegung annaehrend verstanden hat. Bei ihm hab ich das Gefuehl, dass auch wirklich etwas ankommt wenn ich etwas sage und der z.B. auch was sagt wenn er mich nicht verstanden hat oder wenn ich grammatischen Abfall produziert habe ;)
Die meisten anderen sind zunaechst erstmal eher schuechtern, aber dann, wenn man sie mal anspricht, auch durchaus aufmerksam oder interessiert. Ausserhalb der Schule sind die meisten deutlich aufgweckter und lebhafter. 3 Kinder einer Familie, die in der Naehe von Ines (und somit mir im Moment) wohnen, kommen z.B. oefters nachmittags vorbei um mit den Tieren zu helfen oder Wasser zu holen, und da sind sie dann auch witzig, albern rum etc.

Muss nun los, bald mehr!

Kakao und Co

Beschreibung: 

Nochmal neue Bilder!
Hier in Palma Real gibt es derzeit ein interessantes Projekt, bei dem mit Hilfe einer ecuadorianischen Stiftung auf kommunaler Ebene cacao de fin aroma angebaut werden soll. Soweit ich das bisher verstanden habe, hat Palma Real dabei zunaechst 1000 Setzlinge sehr billig oder sogar geschenkt bekommen. Ausserdem war letzten Mittwoch da ein Mensch von besagter Stiftung im Dorf, der uns erklaert hat, wie man diesen cacao de fin aroma richtig anbaut.

Fuer alle Schokoladenfreaks hier also der Crashkurs, wie man den weltbesten Kakao bekommt:

1) Nur Bohnen von gut tragenden und vollkommen gesunden Pflanzen verwenden. Trocknen. Mit einem lilanen Pulver, einem Naturduenger, in Wasser einweichen. Dann in kleine Plastiktuetchen, die mit einer Mischung aus 40% Kompost und 60% normaler Erde gefuellt sind, einpflanzen. Die Setzlinge brauchen unbedingt Schatten, also das Ganze mit Banenenblaettern abdecken. Taeglich giessen.

2.) Um die Pflanzen resistenter und ertragreicher zu machen, sollte nach ca. 3 Wochen eine injertaticion erfolgen - die Setzlinge (patrones) werden mit einem Aestchen von einer einer aelteren, gut tragenden und gesunden Pflanze gepropft: Ast vom Baum abschneiden (muss gleich dick wie der Setzlingsstamm sein), Blaetter abschneiden, unten mit einem absolut geraden Schnitt (vom sauberem, desinfizierten Messer, wie betont wurde) schraeg anschneiden, dann den Setzling bis kurz vor der Haelfte des “Stammes” ebenfalls schraeg einschneiden, Ast einsetzen, mit Plastikfolie umwickeln. Nach 3 Wochen kann die Folie entfernt werden.

3.) Nach 3 Wochen die Setzlinge in groessere Tueten umsetzen. Schatten ist jetzt nicht mehr noetig. Nach ca. 3 Monaten endgueltig verpflanzen mit einem Abstand von ca. 3 m zwischen den einzelnen Pflanzen. Immernoch taegliches Giessen noetig wenn Regen ausbleibt.

4.) Warten. Nach 3 Jahren kann mit einer verwertbaren Ernte gerechnet werden. Ein Kakaobaum wird ungefaher 3 bis 6 Meter hoch und bis zu 40 Jahre alt. Nachhaltige Zukunftsinvestition das Ganze, also.

Otavalo

Beschreibung: 

Letztes Wochenende war ich in Otavalo, ca. 50 km noerdlich von Quito im andinen Hochland gelegen. Otavalo ist gewissermassen die Hauptstadt des “Big Poncho Buisness”. Hauptsaechlich von Indigenas bevoelkert, und der Samstagsmarkt ist einfach gigantisch riesig, da gibts alles von Artesania, Trachten, massig Essen und nochmal Artesania, dazu noch einen ebenfalls grossen Viehmarkt mit Kuehen, Schweinen, Gefluegel und einem Lama. Eine Kuh kostet hier zwischen 150 und 400 Dollar, ein Ferkel zwischen 10 und 20, ein Schwein je nach Gewicht 50 bis 100. Die Otavalo-Indianer gelten teilweise als die reichsten des Landes - offenes Selbstbewusstsein ist ueberall sichtbar, dazu eben eine gelungene Kommerzialisierung der traditionellen Produkte.

Anlass meines Besuches in Otavalo war uebrigens ein Treffen mit den Organisatoren von yap-cfd, von denen 3 im Moment in Ecuador sind, um sich die diversen Projekte anzuschauen, mehreren Leuten die in Ecuador mit Freiwillgen arbeiten und noch 4 anderen Freiwillgen von yap in Ecuador. Das Treffen war durchwegs interessant, hat sich also auf jeden Fall gelohnt.

Ansonsten waren wir noch an einem schoenen Wasserfall in der Naehe (Dusche inbegriffen) und einer Lagune bei Ibarra.